Warum Parkour? Oder warum dann doch nicht.

Wer neu zum Parkourtraining kommt, kennt die Sportart vor allem aus dem Internet und hat sich bereits eine Meinung über den Sport gebildet, welche allerdings nur bedingt dem entspricht, was wir an Parkour mögen und für welche Ideale unser Verein steht. Beim Parkour geht es kurz gesagt um die Technik so schnell und effizient wie möglich von einem Punkt A zu einem Punkt B zu gelangen. Im weiteren Sinne ist es einfach ein sehr gutes Gesamtkörpertraining mit ideellem Hintergrund. Eine gängige Praxis kurz die Ideale des Parkour zu erläutern, liegt in der Betrachtung der eigenen Hand:

Der Daumen kann nach oben oder unten zeigen, gut oder schlecht bedeuten. Jedoch zeigt er vor allem an, wie subjektiv diese Ansicht ist. Was gut und was schlecht ist, bestimmt jeder für sich; muss jeder für sich ausmachen. Es gibt keinen Wettbewerb, es gibt nur ein Miteinander und der einzige Wettbewerb den man haben sollte, ist der Wettbewerb mit dem eigenen Kopf und dem eigenen Körper.

Der Zeigefinger steht für die Vorsicht. Parkour ist eine Extremsportart und entsprechend mit einem Risiko für den Körper verbunden, jedoch mit etwas Vorsicht bei der Wahl der Mauer (es müssen ja nicht gleich 10m Höhe sein) und guter Eigeneinschätzung in der Sprungweite weit weniger gefährlich als Fußball oder Ski fahren.

Der Mittelfinger steht für Respekt. Respekt vor fremden Eigentum, Respekt vor der Umwelt, den Fähigkeiten seiner Mitsportler und Respekt vor den Schwierigkeiten der einzelnen Übungen und dem Prozess der mit der Erlernung verbunden ist.

Der Ringfinger steht für Vertrauen. Parkour ist, obwohl es keine Mannschaft gibt, ein Teamsport. Das Vertrauen in der Gruppe und der Community und das Vertrauen in eigene Fähigkeiten bildet eine wichtige Grundlage für das Zusammenkommen auf Jams und das Training miteinander.

Der kleine Finger zu guter Letzt steht für Bescheidenheit. Das primäre Ziel Parkour zu treiben sollte nicht darin liegen, Freunde oder Fremde zu beeindrucken, denn dies kommt bei kontinuierlichem Training ganz von selbst. Um zu zeigen zu was man fähig ist, geben Shows und Jams reichlich Fläche.

Wer hauptsächlich akrobatische Elemente – sprich Salti etc. – lernen möchte, ist bei uns nicht falsch. Jedoch sei erwähnt, dass keiner unsere Trainer gewillt ist mit jemandem Elemente zu trainieren, die nicht den sportlichen Voraussetzungen entsprechen. Wir wollen grundsätzlich, dass die Grundelemente des Parkour, die darauf ausgelegt sind Strecken und Hindernisse zu überwinden, von den Mitgliedern beherrscht werden. Ob man sich dann aber für die Parkour- oder die Freerunninglinie (oder eine gesunde Mischung) entscheidet, liegt bei jedem Einzelnen.

 

 

Grundtechniken

Grundtechniken beim Parkour sind vor allem der Sprung und die Rolle, deren sichere Beherrschung ein sicheres Treiben des Sportes gewährleisten sollen. Damit ist vor allem die Schonung der Gelenke, im Besonderen das Knie, sowie eine Minimierung der Risiken durch Abrutschen etc. gemeint

Neben dem Training der nötigen Kraft und allgemeinen Körperkontrolle durch Balance- und Präzisionsübungen spielen die verschiedenen Techniken zum Überwinden von kleinen und großen Hindernissen eine wichtige Rolle. (Eine genaue Technikbeschreibung mit Fotos folgt im Frühjahr hier oder jederzeit beim Training in Farbe). Salti werden vorwiegend in der Halle oder in den verschiedenen Sandkästen der Stadt Leipzig trainiert, wobei hier eine Grundsportlichkeit absolute Voraussetzung ist.

Bei Fragen bitte nicht zögern, sondern eine Mail schicken oder direkt beim Training vorbeischauen.

 

 

Motivation

Jeder Traceur wird sich irgendwann die Frage nach seiner Motivation stellen. Anders als in vielen Sportarten gibt es beim Parkour keinen Wettbewerbsgedanken. Es gibt keinen mentalen Druck, keine Pflicht zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Leistung zu erbringen, keine Fläche für objektive Vergleiche. Wie also motiviert man sich, wenn einem selbst bewusst wird, dass niemand die eigenen Fortschritte mit Anerkennung oder Auszeichnungen belohnt? Woher kommt die Lust, noch weiter an seinen Fähigkeiten zu arbeiten und jede einzelne Technik zu perfektionieren, wenn man sich doch in Bescheidenheit üben soll?

Den Aufbau einer gesunden und positiven Motivation kann man als Prozess sehen. Wie auch alles Andere dauert dieser Prozess bei dem Einen recht lange, bei dem Anderen nicht.

Zu Beginn muss jeder mit einem Gefühl umgehen, das recht neu wirkt. Man muss lernen, sich für die Erfolge seiner Trainingskollegen zu begeistern und zu freuen. Man muss den Zwang ablegen, sich selbst mit anderen zu messen und zu vergleichen. Das schafft man am besten, sobald einem die eigenen körperlichen Grenzen bewusst werden. Sofern man den Erfolg eines Anderen als Ansporn und nicht als Konkurrenz betrachtet, kann man sich mit Leichtigkeit bei jedem Training immer wieder begeistern und motivieren. Letztlich wirkt sich das auf die eigenen Fortschritte aus.

Beherrscht man die Grundtechniken und seinen eigenen Körper, so sollte man versuchen, mit seinen Fähigkeiten bescheiden umzugehen. Es gibt leider auch in diesem Sport genug schlechte Beispiele negativer Motivation. Menschen, die sich profilieren möchten, mit ihren Fähigkeiten gerne angeben; daraus beziehen sie ihren Ansporn. Um das zu vermeiden, muss jeder Traceur verstehen, dass er nur sich selbst beeindrucken muss. Die Kunst, den Kampf gegen seinen Kopf immer wieder zu gewinnen, jedoch bei jedem Sprung rational zu bleiben, das Gefühl der Angst richtig einzusetzen, die Grenzen seines Körpers gut zu kennen und die Wage zwischen Vernunft und Wagemut zu halten, das alles sollte einen so sehr beanspruchen, dass man die Beachtung anderer Menschen und den Drang nach Anerkennung vergisst.

Angst und Furcht kennt jeder. Dieses Gefühl als Motivator einzusetzen muss jedoch geübt werden. Einen – objektiv gesehen – gefährlichen Sprung auszuführen kann riskant sein. Die Angst schützt uns davor, vorschnell und unbedacht zu handeln. Wer aber seine physischen und psychischen Grenzen kennt, für den erscheint ein riskanter Sprung als lösbare Herausforderung, denn in Anbetracht seiner eigenen Fähigkeiten handelt man dennoch rational. Auf das Gefühl der Angst muss also auch ein erfahrener Traceur hören; er muss aber für sich selbst abwägen, ob ein Sprung für ihn gefährlich oder machbar erscheint.  Auch darf man seine Fähigkeiten nicht unterschätzen, denn andernfalls wird jede Bewegung und der ganze Körper von der Angst bestimmt.